De Heideroosjes De Heideroosjes De Heideroosjes
DE HEIDEROOSJES sind mittlerweile zu Hollands größtem Exportschlager in Sachen Punkrock geworden. Mit "Schizo" haben sie gerade ihr insgesamt schon sechstes (und bis dato bestes) Album abgeliefert, das sie nicht zuletzt dank ihres Epitaph-Deals über ihre Landesgrenzen hinaus bekannt machen dürfte. Denn in ihrer Heimat sind sie fast schon richtige Stars, die immerhin die meistverkaufteste Punk-Platte der niederländischen Musikgeschichte aufzuweisen haben. Sänger Marco stand mir Rede und Antwort.

Wie gut sprichst du Deutsch? Ich habe dich nämlich letztes Jahr ein paar Brocken Deutsch sprechen hören.
Marco: Ja, ich spreche ein wenig Deutsch, aber viele Wörter fallen mir oft nicht mehr ein. Es ist wie bei allen Fremdsprachen: Zuhören ist immer viel leichter als selber zu sprechen. Bei mir ist es wie bei einem Chinesen, der versucht Englisch zu sprechen. Aber laß uns dieses Interview bitte trotzdem lieber in englischer Sprache führen, okay?

Kein Problem - aber ein paar Worte mußt du schon noch über die deutsch-holländischen Beziehungen verlieren, die ihr ja auch schon mal im Song "Wurst & Käse" thematisiert habt. Bist du schon mal so richtig fies von Deutschen beleidigt oder angegriffen worden?
Marco: Das ist auch schon vorgekommen, wobei ich allerdings hinzufügen möchte, daß ich überwiegend gute Erfahrungen in Deutschland gemacht habe. Heute rege ich mich auch nicht mehr so über verhältnismäßig "milde" Beleidigungen wie z.B. "Käskopf" auf, solche Ausdrücke gehen mir mittlerweile voll am Arsch vorbei. So richtig schlechte und verletzende Erfahrungen habe ich hier glücklicherweise nur ganz wenige gesammelt. Und grundsätzlich bin ich natürlich für die Aussöhnung zwischen den Deutschen und den Holländern, wie "Wurst & Käse" schon andeutet.

Wie sind die ersten zwölf Auftritte eurer momentanen Europa-Tournee verlaufen? Seid ihr zufrieden?
Marco: Ja, sehr zufrieden sogar! Wir werden gerade außerhalb Hollands immer populärer, was uns echt glücklich macht. Wir stoßen überwiegend auf positive Resonanzen, speziell mit den Reaktionen in Deutschland sind wir mehr als zufrieden. Das könnte auch mit dem OFFSPRING-Support im Januar/Februar zu tun haben, wo wir plötzlich vor 3000 Leuten gespielt haben. Das war eine ganz andere Größenordnung – ich denke, daß wir dort auf jeden Fall ein paar neue Fans hinzugewinnen konnten.

Wie ist eigentlich der Deal mit Epitaph zustande gekommen?
Marco: Vor ungefähr drei Jahren haben sie (Epitaph Europe/Amsterdam) uns angerufen und uns gefragt, ob wir nicht zu ihnen wechseln möchten. Wir waren voll stolz, konnten damals allerdings nicht so schnell aus unseren noch laufenden Vertrag aussteigen, weshalb es noch einige Zeit gedauert hat, bis wir "Smile ... You’re Dying" auf Epitaph herausbringen konnten. Wir haben Epitaph damals unsere speziellen Bedingungen (max. 30 DM für eine CD, max. 15 DM Konzerteintritt) genannt, die sie problemlos akzeptiert haben. Und sie leisten jetzt in 18 europäischen Staaten echt gute Arbeit für uns.

Seid ihr eigentlich auch schon mal in Amerika aufgetreten?
Marco: Bis jetzt leider noch nicht. Mit "Schizo" wollen wir erst mal soviel wie möglich Europa beackern, um dann nächstes Jahr vielleicht auch mal in den Staaten zu touren. Aber das ist trotz Epitaph kein leichtes Vorhaben, weil amerikanische Bands als Support meistens nur einheimische Bands auswählen.

Kannst du uns etwas über eure Tour in Bosnien erzählen, die dich menschlich ziemlich berührt hat, wie u.a. der Song "Regular Day in Bosnia" auf dem neuen Album zeigt?
Marco: Das waren in der Tat schon sehr außergewöhnliche und unter die Haut gehende Erfahrungen in Bosnien. Die Leute dort sind größtenteils wirklich sehr arm, aber sie teilen trotzdem ihr letztes Stück Brot mit dir. Sie sind sehr freundlich und hilfsbereit, so daß wir dort einige neue Freundschaften schließen konnten.

Auch mit Serben? Und was hältst du persönlich vom Kosovo-Krieg und dem Bombenhagel der NATO?
Marco: Wir haben auf dieser Tour auch viele echt nette Serben kennengelernt – nicht alle Serben sind Arschlöcher! Wir haben dort friedlich vor allen möglichen Volksgruppen gespielt. Für viele Leute waren unsere Konzerte eine willkommene Abwechslung. Und zu den NATO-Angriffen habe ich persönlich ein ziemlich zwiespältiges Verhältnis. Auf der einen Seite verabscheue ich grundsätzlich Gewalt, auf der anderen Seite habe ich aber auch irgendwie Verständnis für die Position der NATO. Ich kann die Motive der NATO nachvollziehen, aber ich unterstütze sie nicht, weil durch die Angriffe schon viel zu viele unschuldige Zivilisten sterben mußten.

Macht ihr eigentlich noch euren sympathischen Newsletter, der eure Fans regelmäßig über die neuesten Aktivitäten informiert?
Marco: Ja, den machen wir mittlerweile sogar in drei Sprachen, in Englisch, Deutsch und natürlich Holländisch. Jeder kann sich auf unseren Konzerten in die Liste eintragen und bekommt dann in regelmäßigen Abständen Newsletter. Uns ist das D.I.Y.-Prinzip immer noch sehr wichtig, weil die direkte Kommunikation mit den Hörern sehr ehrlich verläuft, d.h. man bekommt ganz unverfälschte Reaktionen auf eine neue Platte, also manchmal auch negative Reaktionen und Kritik.

Letzte Frage: Könnte es sein, daß ihr politisch korrekte Leute nicht ausstehen könnt?
Marco: Ja, könnte sein! Ich meine, wir sind auch gegen Rassismus, Nationalismus und Sexismus, aber manche Leute übertreiben es halt ein wenig. Deshalb heißt ein Stück der neuen Platte auch "P.C. P.O.S.". Es gibt gerade auch in Holland einige völlig humorlose P.C.-Priester, die uns schon seit geraumer Zeit vorwerfen, daß wir zu kommerziell geworden sind, bloß weil wir in den Charts und im Radio auftauchen. Ich kann dazu nur sagen, daß ich kein Rockstar bin, und auch keiner seien möchte. Ich bin ein ganz stinknormaler Typ!

Ein schönes Schlußwort (OÄ)

 

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