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Diskus von Phaistos Schon seit Menschengedenken bannen Punkbands ihre Hits auf Schallplatten. Ältestes Beispiel ist der von Archäologen auf Kreta gefundene Diskus von Phaistos. DiskusWie auf der Scheibe zu sehen, waren schon damals Irokesenschnitt und Leder-
kleidung in Mode.
In der Antike waren die Schallplatten noch aus Ton, da die damalige Petrochemie nicht imstande war, vernünftiges Vinyl zu produzieren. Auch Abspiel-
geräte für diese uralten Longplayer sind praktisch nicht mehr erhältlich. Hoffentlich ergeht es den Vinylplatten nicht ähnlich wie weiland den Schellack- und Tonplatten. Hier erstmal ein paar Reviews:


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Vinylreviews
46short

46short 7“ ° 5 songs ° La$t Dollar Records
Eine saugeile Platte in edler Aufmachung, sogar dezent buntes Vinyl. Zu hören ist teils persönlicher, teils politischer Hochgeschwindigkeits-Old School Hardcore. Es gibt zum Glück immer noch Bands, die gute Texte irre schnell durch die Boxen prügeln. Sofort bestellen, das Ding! Kostet $5ppd. (La$t Dollar Records, P.O.Box 3980, Long Beach, CA, 90803, USA) Mehr kann ich nicht schreiben, weil die Lieder so schnell vorbei sind.

Anal

Anal Alarm im Darm 7“ ° Der Pipi-Aa-
Mann 7“ ° je 4 songs ° Scumfuck

Kaum zu fassen, daß die Jungs von Anal es geschafft haben, die eh schon von Geistesschwäche zeugenden Texte der ersten Single auf der Pipi-Aa-Mann nochmal um Längen zu unterbieten. Die Texte sind so extrem hirnlos, daß das wohl Absicht sein muß. Wie immer gehts ums ficken und so, aber wie! Und erst die Stimme des kranken Sängers. Der hat bestimmt zwei Pingpongbälle in den Mund gesteckt und ein paar Buchstaben aus dem Text gestrichen, um so endlos undeutlich zwischen seinem Schnaufen, Husten und Furzen zu nuscheln wie Helge Schneider on Acid. Unglaublich. Sollte zur Abschreckung im Musikunterricht von Sonderschulen vorgespielt werden, schließlich wurde es dort ja auch eingespielt. Mir gefällts saugut. Megahit!

Dallas Memorial Hospital

Dallas Memorial Hospital D.M.H. 7“ ° 3 songs ° Scumfuck
Ausschließlich Coverversionen werden hier geboten. "Asozial" von Pöbel + Gesocks, "Wenn ich einmal traurig bin" von Heinz Erhardt, sowie "When you die" von GG Allin. Alles in Punkrock (was es ja schon immer war) eingespielt. Nicht, daß es diese Platte gebraucht hätte. Macht aber trotzdem Spaß, sie zu hören.

Eisenpimmel

APPD Hit-Mix Picture-10“ ° 4 songs ° Ox-Records
Der APPD-Song ist schon auf der Schattenkabinetts-CD, dazu kommen drei weitere Songs mit dem selben Thema: Die Eisenpimmel/mösen wollen Bier trinken, und zwar am liebsten Atom-Pils, weils das für 20 Pf die Maß gibt. Und das intonieren sie in gewohnter Manier. Nichts wirklich neues. Ist genau so Panne wie die letzte Scheibe. Es fehlt noch ein kleines Quäntchen Irrsinn zur Genialität. Bevor ich aber eine Empfehlung ausspreche, sagt mir erstmal, wer dieser Herr Ditze ist.

Else Admire & the Breitengüssbach Dolls

Hits a Gogo 12“ ° 12 songs ° G-Punkt Records
So eine Art Proberaumkellersessionrockalbum in kaum zu unterbietender Soundqualität. Else Admire ist der sozusagen noch oberfränkischere Sigi Pop, letztens sogar mit Hundefreundbärtchen gesehen. Einige Songs kommen ganz gut, auch ein paar der Texte laden zum schmunzeln ein (z.B. "Gängsta" oder "Sid Vicious wash the dishes"). Aber insgesamt ist die Platte zu schrammelig und läßt sich kaum auf einmal komplett durchhören, weils sonst zu nervig wird. Der Spaß am Machen überwiegt eindeutig den Spaß am Konsumieren, und das ist beinahe schon wieder Punkrock.

Em-Oi!-Kahl

Haut drauf! 7“ ° 4 songs ° Scumfuck
Die geigen einem was, aber heftig. Kein so Hippie-Blockflöten Folkpunkshit, sondern schnelles Geprügel mit Geigengewinsel. Geprügel paßt ganz gut, denn da wird Gewalt gegen alles und jeden gepredigt, am besten mit Sex dabei. Schön, daß wieder einmal einer auszieht, sich Feinde zu machen. Das dürfte bei den Texten sicher gelingen. Na, neugierig? Bestells Dir doch selber!

46short
Mother Fucking Titty Suckers

46short Split 7“ ° 6 songs ° La$st Dollar Records
Die beiden Lieder von 46short sind etwas langsamer als auf der eben besprochenen Single, die mir deswegen auch besser gefällt. Dafür gibt es ja noch 4 Stücke von den Mother Fucking Titty Suckers, die so alten Old School machen, daß es schon gar kein Hardcore mehr ist, sondern eher Punkrock. Dafür einen doppelten Bonuspunkt! Am besten, man bestellt sich beide Platte zusammen (Adresse siehe oben), dann kann man nichts falsch machen, außer zu vergessen, die richtige Umdrehungszahl einzustellen. Die ist nämlich auf den beiden Seiten verschieden.

Bottles

Von einem, der auszog 7“ ° 4 songs ° Scumfuck
Viermal der selbe Anfang bei den Liedern, und es geht auch stets um die selbe Person: um Wolfgang P., dem Sozialarbeiter mit Uni-Abschluß Note 1 (he, fast genau wie ich!), der zum Nazi, Zuchthäusler, Kleinkriminellen und abgestürzten Vollaso wird. Die vier Songs erzählen seine Geschichte, was recht amüsant ist. Dabei wird das selbe musikalische Thema immer entsprechend variiert. Man kann mit Fug und Recht sagen: Ein kurzes, aber gelungenes Konzeptalbum.

Bovver Wonderland

Born to booze Picture10“ ° 11 songs ° Scumfuck
Tanzbarer, alter Punksound, der auch zum Mitsingen anregt. Das Problem bei Zehnzöllern ist, daß nicht soviel draufpaßt, und das ist schade bei Bovver Wonderland, obwohl sie nicht das Beste sind, das amerikanischer Streetpunk zu bieten hat. Trotzdem freue ich mich jedesmal, wenn ich sowas bodenständiges krieg, denn da werden wenigstens keine nervigen Experimente gemacht.

El Ray

El Ray MER ist schlecht 12“ ° 12 songs ° Scumfuck
Bordeaux marmoriertes Vinyl, auf 999 numerierte Stück limitiert, das sieht der Sammler gerne. Für intellektuelle Slawisten auch witzig die Doppeldeutigkeit: MIR ist schlecht / mer (russ. für Frieden) ist schlecht (und dazu die marschierenden Gebirgspfadfinder auf dem Cover). Natürlich sind das nur Nebensächlichkeiten. Worauf es ankommt, ist die Musik. Melodiöser, aber nicht melodischer Punkrock, der mal schnell und mal im Midtempobereich poltert. Das alles abgemischt von Mischpultvirtuose Gasan Alpaslan. Da kann kaum was schiefgehen, und ich spiel die Platte auch regelmäßig meinen Partygästen vor. Denn keiner ist genervt (was bei Crustcore oder Fickmucke der Fall wäre) und niemand wird aggressiv (wie bei Deutschpunk oder volkstümlicher Hitparade). Kaufempfehlung!

Eradicate

Eradicate Broken 7“ ° 9 songs ° Bad Influence Rec.
Crustcore aus Regensburg. Neben persönlichen Themen natürlich auch schubladenübliche Texte, z.B. gegen Tierversuche, gegen die passive Menschenmasse, gegen Techno, gegen Arschkriecherei usw. Crustcore hab ich jetzt schon länger nicht mehr gehört. Ist wohl bei den normalen Promoverteilern out. Meinetwegen könnts ruhig mehr davon geben. Taugt mir nämlich. Ihr solltet aber schnell bestellen, weil nicht mehr viele beim Label sein dürften (wg. limitiert auf 500 Stück).

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Madball

Madball been there, done that 7“ ° 3 songs ° Victory Records
Very strong, Burschen. Und moralisch korrekt. Danke, jetzt weiß ich, daß es irgendwie nicht cool ist, andere umzuballern, auch wenn der Sänger diese Message abschwächt: "I‘m not judgin‘ no one, I‘m just thinking, talking to myself". Naja, sehr viel Relevanz für mein tägliches Leben hat der Text nicht. Zu der Musik kann ich wenigstens auf und ab hüpfen, wie ich es in MTV gesehen hab, als ich noch Kabelanschluß hatte. Und wenn noch andere Slamdancer da wären, könnte ich mal Kettenfaustvorstoß und Lowkick üben. Tough!

Scattergun

Schönbohm, the brown nosed Asshole 7“ ° 3 songs ° Nasty Vinyl
Sehr schneller Punk mit englischen Lyrics. Weiß zu gefallen, obwohl es glaub ich noch besser und aggressiver ginge, um ein echter Hit zu werden. Bleibt leider etwas hinter den durch die exzellente Aufmachung geweckten Erwartungen zurück.

Seizure/Sortits

Seizure & Sortits Split 7“ ° 4 songs ° Schlecht & Schwindlig
Eigentlich gar net schlecht, die zwei Songs von den Londonern Seizure. Halt ein bißchen gitarrenlastig, daher weder ein Mitbrüller noch ein Pogo. Die Sortits-Seite ist besser. "Schandmaul" ist jetzt auch auf der "Jetzt wird gefickt"-LP, aber "Love Suck Generation" ist hier exklusiv. Ein gutes Teil; da wird im direkten Vergleich deutlich, was wir an den Sortits haben.

Tetra Vinyl

Kein Weg zurück 12“ ° 16 songs ° Scumfuck
Schneller deutschsprachiger Punkrock, dem irgendwas zum typischen neuen Deutschpunk fehlt. Sinds die Klischees, ist es die Weinerlichkeit, oder sind es peinliche Metalgitarrensoli? All das sucht man auf diesem Vinyl nämlich vergebens. Also fast. "Arbeiterkind" ist eigentlich ein ziemlich klischeebehafteter Song, aber eher in Proletkult-Manier, nicht die gewöhnliche Deutschpunk-Phrasendrescherei. Trotzdem eine überraschend gute Platte, dafür, daß die Band einen so dämlichen Namen hat.

Turbonegro

Suffragette City / Kærlighetens børn 7“ ° 1 song ° Bad Afro Records
Ein eigentlich gutes David Bowie-Cover, aber 7 Mark ist für ein Lied ein ganz schön stolzer Preis. "Kærlighetens børn" auf der Rückseite ist spoken word: ein mongoloider Däne erzählt lallend von seinen Eltern, den Ergotherapeuten, wie sie Sex haben (soviel ich mitbekommen habe, mein Dänisch ist nicht gerade perfekt).

No Exit

Du sollst scheißen! 7“ ° 4 songs ° Scumfuck
Relativ typischer Deutschpunk, der knapp aus der Masse heraussticht. Ich find irgendwie nix besonderes daran, außer, daß die Texte nicht ausnahmslos hohl sind. Wie heißt es so schön? Kann man, muß man aber nicht (die neue CD ist besser, womit die Unterlegenheit des Vinyl bewiesen wäre).

PNET95

PNET95 7“ ° 4 songs ° Puke Records
Sehr schneller Deutschpunk mit Metalgitarre, die aber komischerweise gar nicht mal sooo nervig ist, nur ein bißchen. Texte natürlich sozialkritisch und aggressiv. Eigentlich alles wie gehabt. Das einzige, was bei der Band wirklich außergewöhnlich ist, ist das Outfit der Band: sie sehen wie Punks aus! Das sieht man selten bei Punkbands, also sollte man sie sich mal live anschauen, auch wenn wegen zu trashmetaligem Sound nicht viel Pogo aufkommen dürfte (vorurteile ich mal).

Scum

Meuterei im Eurodisneyland 7“ ° 3 songs ° Schlecht & Schwindlig
Nach 17 Jahren wieder mal was von Scum. Klingt noch so, wie es sich für die damalige Zeit gehört hat, also gut. Trotzdem kann ich keine uneingeschränkte Kaufempfehlung geben, weil ich den Eurodisneylandsong - der ja immerhin ein Drittel der Platte ausmacht - ziemlich langweilig finde. Und meine Meinung ist schließlich ausschlaggebend.

Sortits

Sortits Jetzt wird gefickt! 12“ ° 17 songs ° Schlecht & Schwindlig
Endlich ist der langerwartete Longplayer der Sortits da - ich hab schon gedacht, er kommt nie (so wie das AbArt, hehe). Und es ist das bisher beste Stück der drei Münchner. Im Prinzip wird schneller Punkrock geboten, aber auch mit Abstechern in Old School-HC und sogar mal Ska, also alles, was das Herz begehrt. Und es tut der Platte gut, daß alle drei mal singen - das macht die Platte noch abwechslungsreicher. Vor allem Reserls Gesang sticht positiv hervor. Münchner Bands sind ja generell besser als der Bundesdurchschnitt, und die Sortits stehen an der Spitze der Münchner Bands. Kaufts Euch diese Platte!

T.V. Killers

Fuckin‘ Frenchies 12“ ° 13 songs ° Radio Blast Records
Den Promozettelschreiber erinnerts an New Bomb Turks und Rip Offs, mich aber erinnerts an Pack, nur mit ungleich schlimmerem Akzéêènt. So singt ein gewisser François immer "Miles of a girls", meint damit aber "Motherfuckers". Trotzdem taugt die Platte zumindest für Hintergrunduntermalung. Allerdings auch nicht zu mehr, obwohl ich jetzt nicht sagen kann, was der Platte fehlt. Die Songs sind mir halt zu beliebig und austauschbar. Untereinander austauschbar, denn Eigenständigkeit zeigen die T.V. Killers schon. Es langt halt nicht ganz zur Hitscheibe.


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Sind Vinylplatten faschistoid?

Ein schrecklicher Verdacht liegt auf der Punkszene. Viele Punkrocker verteidigen die altmodischen Schallplatten aus Vinyl. Sind sie deshalb womöglich selbst altmodisch? Schlimmer noch: Sind sie damit selbst so faschistoid, wie man das von den Platten annehmen kann?
Natürlich gibt es eindeutig faschistoide Tonträger, die ob ihres Inhalts in Nazinähe gebracht werden können, und zwar unabhängig von ihrer technischen Ausführung. Wer eine Kassette mit Skrewdriver-, Kahlschlag- oder Stöhrkraft-Songs zuhause hat, hat einen faschistoiden Tonträger zuhause.
Aber es gibt auch Tonträger, die unabhängig von ihrem Inhalt reaktionär wirken. Nämlich die von den Punkern so vehement verteidigten Schallplatten. Schallplatten sind nicht modern, sondern rückwärtsgewandt. Sie sind ewiggestrig. Sie sind radikal konservativ. Sie sind undemokratisch, da sie in der Herstellung so viel teurer als CDs sind. Und sie sind elitär, denn um mittels Schallplatten Musik in einer Qualität zu hören, die der einer CD und eines CD-Players für ca. 300,– DM gleichkommt, muß man ein Abspielgerät für mehrere 10.000,– DM kaufen.
Ist Euch schon mal aufgefallen, daß man Schallplatten immer entweder mit 33 oder mit 45 Umdrehungen pro Minute abspielen muß? Natürlich. Aber man muß die Parallelen ziehen: Das 3. Reich war nämlich genau von '33 bis '45. Der schreckliche Verdacht wird erhärtet, wenn man die Umdrehungszahl der im 3. Reich üblichen Schellackplatten, nämlich 78 Umdrehungen pro Minute analysiert: '78 war nämlich das Jahr, als Punk den Kinderschuhen entwuchs und so richtig groß wurde! Diese Daten korrelieren, da ist nichts daran zu rütteln.
Darum sollten antifaschistische Punker völlig auf diese faschistoiden Schallplatten verzichten. Das hat auch praktische Vorteile: CDs und Kassetten kann man selber herstellen (D.I.Y.) und sie gehen auch nicht so leicht kaputt wie Schallplatten. Das ist Punkrock!
Daher gelten die hier abgedruckten Vinylreviews auch nur als Dokumentation, ohne dafür werben zu wollen.

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